Die Science Based Targets initiative (SBTi) gilt als wichtigster internationaler Referenzrahmen für wissenschaftsbasierte Klimaziele. Mit dem Corporate Net-Zero Standard Version 2.0 – kurz CNZS V2 – ist nun die tiefgreifendste Überarbeitung seit Gründung der Initiative erfolgt. Der Fokus verschiebt sich dabei deutlich: weg von der reinen Zielvalidierung, hin zu einer stärkeren Verankerung von Umsetzung, Fortschrittsmessung und prüffähigen Klimadaten. Die SBTi hat den finalen Standard am 11. Juni 2026 veröffentlicht. Unternehmen können freiwillig bereits ab dem 1. Februar 2027 nach CNZS V2 validieren; ab dem 1. Februar 2028 ist CNZS V2 für alle neuen Zielvalidierungen verpflichtend. Bis zum 31. Januar 2028 kann parallel weiterhin der bestehende Standard (CNZS V1.3.1) genutzt werden.
Warum SBTi für Unternehmen so relevant istKlimaziele gibt es viele. Entscheidend ist, ob sie wissenschaftlich fundiert, nachvollziehbar und belastbar sind. Genau hier setzt die SBTi an: Die Initiative unterstützt Unternehmen dabei, ihre Emissionsreduktionsziele an wissenschaftlich anerkannten Klimapfaden sowie dem 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens auszurichten. Grundlage dafür ist eine belastbare Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz), die Emissionen entlang der drei Scope-Kategorien erfasst:
Ein validiertes SBTi-Ziel schafft nicht nur Orientierung für die eigene Dekarbonisierungsstrategie. Als zunehmend gefragter Nachweis stärkt es zugleich die Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren, Finanzinstituten, Kunden und Geschäftspartnern.
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Der neue Corporate Net-Zero Standard Version 2.0 der SBTi rückt die Umsetzung von Klimazielen stärker in den Mittelpunkt: Klimaziele sollen nicht nur wissenschaftlich fundiert sein, sondern durch konkrete Maßnahmen, belastbare Daten und nachvollziehbare Fortschritte untermauert werden. Der Fokus verschiebt sich damit stärker von Ambition zur Wirkung und fördert kontinuierliche Bestrebungen zur Zielerreichung.
Im Überblick: Diese sechs Entwicklungen prägen den finalen Standard und damit die kommenden Anforderungen an Unternehmen:
Zyklische Validierung von Klimazielen: Unternehmen müssen ihre Ziele nicht nur klar definieren, sondern regelmäßig überprüfen und bei Bedarf weiterentwickeln.
Transitionspläne gewinnen an Bedeutung: Die Reduktionsziele werden durch konkrete Umsetzungs- und Investitionspläne gestützt.
Höhere Anforderungen an Scope 2: Stromnachweise müssen transparenter und geografisch wie zeitlich plausibel sein.
Fokus auf wesentliche Scope-3-Emissionsquellen: Statt pauschaler Anforderungen steht die gezielte Steuerung der bedeutsamsten Emissionstreiber im Vordergrund.
Die Relevanz von Assurance und Prüfbarkeit nimmt zu: Zielrelevante THG-Daten müssen konsistent dokumentiert und extern verifiziert werden.
Laufende Emissionen werden systematisch adressiert: Die SBTi führt mit CNZS V2 ergänzende Ansätze ein, mit denen Unternehmen zusätzlich zur Emissionsreduktion auch Verantwortung für verbleibende Emissionen übernehmen können.
Der zeitliche Rahmen: Nach zwei abgeschlossenen Konsultationsrunden 2025 wurde die finale Version am 11. Juni 2026 veröffentlicht. Freiwillig können Unternehmen bereits ab dem 1. Februar 2027 nach CNZS V2 validieren, ab dem 1. Februar 2028 ist dies für alle neuen Zielvalidierungen verbindlich. Bis zum 31. Januar 2028 bleibt der bestehende Corporate Net-Zero Standard V1.3.1 parallel anwendbar.
Bereits validierte Ziele bleiben grundsätzlich bis zum Ende ihrer Laufzeit gültig. Für bestehende Zielsetzungen können jedoch im Rahmen künftiger Übergangsregelungen oder Zielerneuerungen zusätzliche Anforderungen relevant werden.
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Eine grundlegende Neuerung des CNZS V2 betrifft den zyklischen Validierungsprozess: Statt einer einmaligen Zielvalidierung sieht CNZS V2 einen dreistufigen Validierungsprozess aus Entry Check, Initial Validation und regelmäßiger Renewal Validation alle fünf Jahre vor, ergänzt durch optionale anlassbezogene Spot Checks, die eine kontinuierliche Nachverfolgung und Qualitätssicherung gewährleisten sollen.
Darüber hinaus sieht der Standard verpflichtende Performance Assessments am Ende jedes Zielzyklus sowie ein regelmäßiges Fortschrittsreporting vor: Unternehmen müssen dabei anhand standardisierter Formeln nachweisen, dass sie ihren Zielen tatsächlich nähergekommen sind.
Die Validierung der Klimaziele wird damit zu einem dynamischen Steuerungsinstrument, das eng mit Reporting, Datenqualität und operativer Umsetzung verzahnt ist. Wer unternehmerisches Klimamanagement als kontinuierlichen Prozess verankert, ist demnach besser vorbereitet, die Anforderungen des neuen Standards reibungslos zu erfüllen.
Gemäß dem finalen CNZS V2 sind Kategorie-A-Unternehmen verpflichtet, spätestens innerhalb von 15 Monaten nach der Initial Validation (bzw. bereits mit der Validierung selbst) einen Transitionsplan zu veröffentlichen, der ihre Klimaziele und Net-Zero-Ambition untermauert. Für Kategorie-B-Unternehmen ist dies optional. Der Plan wird anschließend regelmäßig – alle fünf Jahre – aktualisiert und durch die Unternehmensführung bestätigt.
Damit schlägt die SBTi eine direkte Brücke zur europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), konkret zu ESRS E1, die ebenfalls einen Klimatransitionsplan fordert.
Für Unternehmen bedeutet das: Die Definition von Klimazielen allein wird künftig nicht ausreichen. Entscheidend ist die nachvollziehbare Umsetzungslogik dahinter – von Maßnahmen und Investitionen bis hin zu Governance-Strukturen und kontinuierlichem Monitoring.
Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie, wie insbesondere Strom, und stellt für viele Unternehmen einen der wichtigsten Hebel zur Emissionsreduktion dar.
Eine der zentralen Neuerungen im CNZS-V2: Scope 1 und Scope 2 müssen künftig als eigenständige Ziele ausgewiesen werden. Bisher war eine kombinierte Bilanzierung zulässig. Zudem formuliert der neue Standard deutlich strengere Anforderungen an die Qualität von Stromnachweisen sowie den Bezug von kohlenstoffarmem Strom. Die SBTi orientiert sich dabei an der laufenden Novellierung des GHG Protocol Scope 2 Guidance, welches international als zentrale Methodik zur Bilanzierung von Emissionen aus eingekaufter Energie gilt.
Günstige, aber geografisch oder zeitlich nicht zum Verbrauch passende Herkunftsnachweise oder Energy Attribute Certificates (EACs) verlieren durch die verschärften Qualitätskriterien an Anrechenbarkeit.
Unternehmen sollten deshalb frühzeitig prüfen:Scope 3 umfasst oft die größten tatsächlichen Emissionen eines Unternehmens – ist aber zugleich der komplexeste Teil der Klimabilanz, verbunden mit erheblichen Datenunsicherheiten und begrenzter direkter Steuerbarkeit.
Der Corporate Net-Zero Standard Version 2.0 legt deshalb den Fokus auf signifikante Scope-3-Kategorien, prioritäre Emissionsquellen und Bereiche, in denen Unternehmen realistisch Einfluss nehmen können. Kategorie-A-Unternehmen sind dennoch zur Festlegung von Scope-3-Zielen verpflichtet – unabhängig vom prozentualen Anteil an den Gesamtemissionen.
Ergänzend sieht CNZS-V2 vor, dass bedeutende Tier-1-Lieferanten perspektivisch zur Festlegung eigener Klimaziele bewogen werden. Lieferkettentransparenz ist damit kein optionales Thema mehr.
Zentrale Fragen für Unternehmen:Mit dem Corporate Net-Zero Standard 2.0 steigt die Relevanz belastbarer und extern nachvollziehbarer Emissionsdaten deutlich. Für Kategorie-A-Unternehmen sieht der Standard eine verpflichtende Drittpartei-Prüfung der relevanten Treibhausgasdaten vor. Bei Category-B-Unternehmen bleibt die externe Prüfung optional, wird von der SBTi jedoch ausdrücklich empfohlen.
Damit gewinnt die sogenannte Limited Assurance an Bedeutung – eine externe Prüfung, bei der ein unabhängiger, akkreditierter Prüfer zentrale Emissionsdaten und Fortschritte auf wesentliche Fehler und Plausibilität überprüft.
Voraussetzung hierfür ist eine konsistente und transparente Datengrundlage. Unser Tipp: Prüfen Sie frühzeitig, ob Methoden, Berechnungslogiken, Annahmen und Nachweise genau dokumentiert sind.
Wichtige Fragen zur Vorbereitung:Neu im finalen CNZS V2 ist außerdem das Konzept der Ongoing Emissions Responsibility (OER), eine Weiterentwicklung des bisherigen „Beyond Value Chain Mitigation“-Ansatzes (BVCM). Es schafft einen strukturierten Rahmen, in dem Unternehmen Verantwortung für Emissionen übernehmen können, die während des Dekarbonisierungspfads bis Net-Zero fortlaufend entstehen – etwa durch die Finanzierung hochwertiger Klimaschutzprojekte außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette oder durch interne CO₂-Bepreisung. Der Standard sieht dabei drei freiwillige Anerkennungsstufen vor (Engaged, Advanced und Leadership), die frühes Handeln incentivieren sollen.
Ab 2035 wird OER für Kategorie-A-Unternehmen verpflichtend: Der abzudeckende Anteil laufender Emissionen (zunächst mindestens 1 %) steigt schrittweise, mit dem Ziel einer vollständigen Verantwortungsübernahme bis 2050.
Wichtig: OER-Maßnahmen ersetzen keine Emissionsreduktionsziele und sind nicht auf diese anrechenbar. Das Konzept soll zusätzliches Klimaschutzengagement stärken und ist ausdrücklich nicht als Kompensationslösung gedacht.
Mit der finalen Veröffentlichung des Corporate Net-Zero Standard 2.0 ist die Richtung nun endgültig klar: Klimaziele werden datengetriebener, prüfbarer und stärker mit konkreter Umsetzung verknüpft.
Diese drei Schritte sind deshalb bereits heute für Unternehmen von besonderer Relevanz:
1. THG-Bilanz professionalisieren
Scope 1, Scope 2 und wesentliche Scope-3-Kategorien sollten belastbar erhoben, methodisch konsistent dokumentiert und jährlich fortgeschrieben werden. Eine solide Datenbasis ist die Voraussetzung für Validierung, Reporting und externe Prüfung gleichermaßen.
2. Umsetzungsplan entwickeln
Legen Sie fest, welche Emissionen mit welchen konkreten Maßnahmen reduziert werden sollen und bis wann. Berücksichtigen Sie dabei Standorte, Lieferanten, Produktgruppen sowie Investitionsbudgets. Ein strukturierter Transitionsplan erfüllt dabei zugleich Anforderungen aus CNZS V2 und der CSRD.
3. Nachweisfähigkeit sicherstellen
Dokumentieren Sie Datenquellen, Methoden, Emissionsfaktoren, Strombezugsinstrumente und Fortschritte so, dass sie langfristig prüffähig und nachvollziehbar bleiben – als Grundlage für externe Verifizierung sowie künftige Validierungszyklen.
Als einer von elf offiziell zertifizierten SBTi-Beratern in Deutschland und 163 weltweit (Stand Mai 2026) steht Ihnen Marvin Gornik als Ansprechpartner gerne zur Seite.
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Der Corporate Net-Zero Standard 2.0 ist kein kleines Update, sondern markiert einen grundlegenden Wandel von der reinen Ziel-Logik hin zu einer Umsetzungs- und Glaubwürdigkeits-Logik. Unternehmen müssen künftig nicht nur ambitionierte Ziele formulieren, sondern deren Umsetzung und Fortschritt belegen – transparent, nachvollziehbar und prüffähig.
Wer Emissionsdaten, die Scope-2-Stromstrategie, Scope-3-Hebel und den Transitionsplan bereits heute strukturiert aufbaut, schafft ein starkes Fundament für die kommenden Anforderungen sowie für die steigenden Erwartungen von Investoren, Kunden und Geschäftspartnern.