- Bärbel Deisting
- 09.09.26
- 3 min
- Fördermittelberatung, Luft- und Raumfahrt
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Bärbel Deisting
Wer an Raumfahrt denkt, verbindet damit meist den Mond, Satelliten, Raketen oder Astronauten und Firmen, die sich auf diese Technologien spezialisiert haben. Tatsächlich arbeitet die europäische Raumfahrtagentur ESA aber mit Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen zusammen. Ob Künstliche Intelligenz, Robotik, Sensorik, Werkstofftechnik oder Digitalisierung: Viele Innovationen, die heute auf der Erde entstehen, können auch für die Raumfahrt interessant sein. Für innovative Unternehmen eröffnet sich dadurch ein spannender Markt – vorausgesetzt, sie kennen die Spielregeln.
In den kommenden Wochen wollen wir Ihnen in unseren ESA Blog-Beiträgen, vorstellen wie eine Zusammenarbeit mit der ESA gelingt, welche Möglichkeiten und Programme es gibt und wie Sie sich daran beteiligen können.
Doch heute geht es zunächst einmal darum, Ihnen den generellen Einstieg zu erleichtern und die notwenigen ersten Schritte für eine Zusammenarbeit mit der ESA vorzustellen.
Der Weg in ein ESA-Projekt führt in der Regel über Ausschreibungen für Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekte. Anders als bei vielen nationalen Förderprogrammen reichen Unternehmen bei der ESA keinen klassischen Förderantrag für ihre eigene Projektidee ein. Stattdessen bewerben sie sich im Rahmen einer Ausschreibung auf einen konkreten Entwicklungsauftrag der ESA. Wer diesen Prozess versteht und sich gut vorbereitet, verbessert seine Chancen deutlich.
Bevor Unternehmen Angebote abgeben können, müssen sie sich im Beschaffungssystem esa-star registrieren. Über das Portal veröffentlicht die ESA sämtliche Ausschreibungen sowie geplante Beschaffungsvorhaben und die dazugehörigen Unterlagen.
Ein regelmäßiger Blick in das Portal lohnt sich. Neben offenen Ausschreibungen finden sich dort auch Vorankündigungen, die Unternehmen helfen können, sich frühzeitig auf kommende Projekte einzustellen oder passende Partner zu suchen. Die Vorankündigungen beinhalten eine kurze Beschreibung zur geplanten Ausschreibung und sind als „intended“ markiert.
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Das „ESA-System for Tendering and Registration“ (esa-star) ist die zentrale digitale Beschaffungsplattform der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Unternehmen nutzen sie, um sich zu registrieren, Ausschreibungen zu finden und Angebote einzureichen.
Wichtig zu wissen: Ohne eine Registrierung im esa-star-System ist eine Teilnahme an ESA-Ausschreibungen in der Regel nicht möglich. Unternehmen sollten ihr Profil deshalb frühzeitig anlegen und aktuell halten. |
Die Vergabe von Entwicklungsaufträgen erfolgt nach einem festen Verfahren. Ausschreibungen werden in esa-star Publication angekündigt und veröffentlicht. Sie können einen Kurztext zur jeweiligen Ausschreibung öffentlich einsehen, um alle Ausschreibungsunterlagen zu erhalten, müssen Sie sich einloggen.
Nach dem Login stehen Ihnen sämtliche Ausschreibungsunterlagen zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise der Letter of Invitation (LoI), das Statement of Work (SoW), der Draft Contract (Entwurf des Vertrags) sowie die Special Conditions of Tender (SCT). Diese Dokumente bilden die Grundlage für die Angebotserstellung.
Anhand dieser Dokumente können interessierte Unternehmen nun ihre Angebote ausarbeiten und vor Ende der Abgabefrist einreichen. Anschließend bewertet die ESA alle eingegangenen Vorschläge anhand technischer, wirtschaftlicher und formaler Kriterien, bevor der Auftrag vergeben wird.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: gute Ideen allein reichen nicht aus. Ebenso wichtig ist es, die Anforderungen der Ausschreibung genau zu verstehen und nachvollziehbar darzustellen, wie das Projekt umgesetzt werden soll.
Häufig entscheidet nicht allein die technische Lösung über den Zuschlag. Ebenso wichtig ist ein vollständig ausgearbeitetes Angebot, das alle formalen Anforderungen erfüllt. Deshalb empfiehlt die ESA, die Vergabeunterlagen sorgfältig zu prüfen, Rückfragen frühzeitig über den zuständigen Contracts Officer zu stellen und genügend Zeit für die Erstellung des Angebots einzuplanen.
Auch technisch sollten Unternehmen kein Risiko eingehen. Die ESA rät dazu, Angebote bereits vor Ablauf der Frist testweise ins Portal hochzuladen. So lassen sich mögliche Probleme rechtzeitig erkennen. Nach Fristende sind Änderungen oder Nachreichungen nicht mehr möglich.
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass ESA-Projekte ausschließlich großen Raumfahrtunternehmen vorbehalten sind. Tatsächlich richtet sich die ESA aber ausdrücklich auch an kleine und mittlere Unternehmen. Nach eigenen Angaben entfielen zwischen 2019 und 2023 rund 30 % der Industrieaufträge auf KMU aus den Mitgliedstaaten.
Zusätzlich bietet die ESA Schulungen, Informationsveranstaltungen und Networking-Formate wie die Industry Space Days an. Wer noch keine Erfahrung mit ESA-Projekten hat, findet dort erste Ansprechpartner sowie potenzielle Projektpartner.
Viele ESA-Projekte werden nicht von einem einzelnen Unternehmen umgesetzt. Stattdessen arbeiten mehrere Partner in Konsortien zusammen und bringen ihre jeweiligen Kompetenzen ein. Für Unternehmen kann es deshalb sinnvoll sein, frühzeitig nach geeigneten Partnern zu suchen. Mit esa-match stellt die ESA dafür eine eigene Plattform zur Verfügung. Auch die EurA unterstützt Sie gerne bei der Suche nach geeigneten Projektpartnern.
Wer erfolgreich mit der ESA zusammenarbeiten möchte, sollte nicht erst aktiv werden, wenn eine interessante Ausschreibung veröffentlicht wird. Oft entscheidet die Vorarbeit über den späteren Erfolg: Passt die eigene Technologie zur Ausschreibung? Gibt es geeignete Partner? Sind die personellen Ressourcen vorhanden, um ein anspruchsvolles Entwicklungsprojekt umzusetzen?
Je früher diese Fragen geklärt werden, desto überzeugender lässt sich ein Angebot ausarbeiten.
Eine Zusammenarbeit mit der ESA bietet weit mehr als finanzielle Unterstützung einzelner Projekte.
Für viele Unternehmen ist die Zusammenarbeit mit der ESA weit mehr als ein einzelnes Forschungsprojekt. Sie eröffnet den Zugang zu einem internationalen Innovationsnetzwerk, in dem Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Institutionen gemeinsam an Zukunftstechnologien arbeiten, die häufig weit über einzelne Branchen hinausreichen.
Zum anderen können Unternehmen ihre Technologien unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen weiterentwickeln. Lösungen, die sich im Umfeld der Raumfahrt bewähren, besitzen oftmals auch ein hohes Potenzial für industrielle Anwendungen auf der Erde. Gleichzeitig stärkt die Mitarbeit an internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten die eigene Innovationskraft und Sichtbarkeit.
Gerade beim ersten ESA-Projekt stellen sich viele Fragen: Welche Ausschreibung passt zur eigenen Technologie? Lohnt sich eine Bewerbung? Welche Unterlagen werden benötigt? Genau hier unterstützt Sie die EurA. Unsere Expertinnen und Experten begleiten Unternehmen von der Auswahl geeigneter Ausschreibungen bis zur Erstellung eines überzeugenden Angebots.
Die Zusammenarbeit mit der ESA ist längst kein Thema mehr ausschließlich für klassische Raumfahrtunternehmen. Viele Technologien aus anderen Branchen werden heute in europäischen Raumfahrtprojekten eingesetzt. Wer sich frühzeitig mit den Ausschreibungen beschäftigt und den Vergabeprozess versteht, schafft die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung. Der Einstieg mag zunächst komplex erscheinen – mit einer guten Vorbereitung ist er jedoch deutlich einfacher, als viele Unternehmen vermuten.
Text: Bärbel Deisting
Titelbild: KI-generiert
Dieser Inhalt wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.
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