Mit einer Änderung des Arbeitsprogrammes 2026 lässt das European Innovation Council (EIC) erstmals Technologien für Verteidigung und Dual Use zur Förderung zu. Im EIC Accelerator und STEP Scale Up werden nun auch Technologien mit Dual-Use-Potenzial gefördert, während der neue Förderaufruf EIC STEP Defence Scale Up direkt auf Anwendungen im Verteidigungsbereich zielt.

Damit markiert das EIC einen klaren Kurswechsel: Neben klassischen zivilen Anwendungen rücken Technologien mit gleichzeitig zivilem und militärischem Nutzen stärker in den Fokus. Dieser Schritt ist Teil einer übergeordneten Strategie, Europas technologische Souveränität und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit zu stärken.

Erweiterte Fördermöglichkeiten im EIC Accelerator und STEP Scale Up

Konkret bedeutet die Öffnung. dass Unternehmen mit Dual-Use-Geschäftsmodellen künftig auf die bekannten EIC-Förderinstrumente zugreifen können:

  • EIC Accelerator: Zuschüsse (grant) von bis zu 2,5 Mio. Euro + bis zu 10 Mio. Euro Beteiligungskapital
  • STEP Scale Up: Beteiligungskapital (equity) 10 bis 30 Mio. Euro

Gefördert werden insbesondere Start-ups und KMU, die Technologien mit hohem Innovationsgrad und Skalierungspotenzial entwickeln – etwa in den Bereichen KI, Quanten oder fortschrittlichen Materialien. Voraussetzung ist jeweils, dass eine technologische Reife von ab Technology Readiness Level (TRL) 6 vorliegt.

Für Unternehmen eröffnet sich damit eine neue Finanzierungsperspektive, insbesondere in frühen und wachstumsintensiven Phasen.


Neuer Förderaufruf: 100 Mio. Euro für Scale-ups im Defence-Sektor

Eine weitere Säule ist der neue Förderaufruf „EIC STEP Defence Scale Up“ mit einem Gesamtbudget von 100 Mio. Euro. Ziel ist die gezielte Unterstützung von Unternehmen beim Hochskalieren.

Gefördert werden Projekte in den strategisch wichtigen Technologiefeldern:

  • Flug- und Raketenabwehr
  • Artillerie und Präzisionsschläge
  • Raketen und Munition
  • Drohnen und Abwehrdrohnen
  • Strategische Ressourcen
  • Cyber, KI und elektronischer Kampf
  • Militärische Mobilität
  • Bodenkampf
  • Maritime Anwendungen
  • Luftkampf
  • Medizinische Technologien und Abwehrmaßnahmen

Unternehmen können hierbei jeweils 10 bis 30 Mio. Euro Förderung in Form von Beteiligungskapital erhalten. Damit stellt erstmals ein europäisches Programm direkte Kapitalinvestitionen für Verteidigungsunternehmen bereit.

Die Beteiligung des EIC erfolgt dabei immer im Rahmen größerer Finanzierungsrunden im Volumen von 50 bis 150 Mio. Euro oder mehr. Bei Antragstellung muss nachgewiesen werden, dass mindestens 20% privates Ko-Investment bereits gesichert wurden.

Die Einreichung von Anträgen ist bis 28. Oktober 2026 möglich, die Ergebnisse werden Anfang 2027 erwartet.

 

Chancen für Unternehmen und Innovationstreiber

Für innovative Unternehmen ergeben sich aus dieser Entwicklung neue Chancen:

  • Erweiterter Zugang zu Fördermitteln für Dual-Use- und Verteidigungstechnologien
  • Stärkere Skalierungsmöglichkeiten durch große Eigenkapitalfinanzierungen
  • Erhöhte Sichtbarkeit im europäischen Innovationsökosystem
  • Beitrag zur strategischen Autonomie Europas

Insbesondere technologieorientierte KMU und Deep-Tech-Start-ups profitieren von der Kombination aus Zuschuss- und Beteiligungsfinanzierung – ein zentraler Erfolgsfaktor für kapitalintensive Entwicklungsphasen.

 

Einordnung: Ein langfristiger Trend

Die Öffnung des EIC für Verteidigung und Dual-Use ist keine kurzfristige Maßnahme. Vielmehr deutet alles auf eine langfristige Integration dieser Themen in die europäische Innovationsförderung hin. Bereits jetzt wird eine Fortsetzung der Förderprogramme über 2027 hinaus erwartet.


Fazit

Mit der Öffnung für Dual-Use- und Verteidigungstechnologien sendet das EIC ein klares Signal: Innovation und Sicherheit sind in Europa eng miteinander verknüpft.
Für Unternehmen bietet sich damit eine neue Gelegenheit, technologische Exzellenz mit gesellschaftlicher Relevanz zu verbinden und gleichzeitig von attraktiven Förderinstrumenten zu profitieren.
Gerade für Akteure im Bereich kritischer Technologien lohnt es sich jetzt, die Fördermöglichkeiten im Detail zu prüfen und passende Strategien zu entwickeln.

Text: Julian Seethaler

 

Julian Seethaler

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