- Levin Winzinger
- 19.02.26
- 5 min
- Erfolgsfaktor Nachhaltigkeit, Bioökonomie
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Benjamin Raab
Unternehmensfinanzierung ist weit mehr als nur die Aufnahme eines Kredits. Jede Unternehmensstrategie braucht eine darauf abgestimmte Finanzierungsstrategie. Gleichzeitig benötigt jedes Unternehmen eine mittel- bis langfristig gesunde Finanzierungsstruktur.
Eine passende Finanzierungsstrategie beantwortet die Frage, wann dem Unternehmen welche Finanzmittel in welcher Höhe, aus welchen Finanzierungsquellen und für welchen Zweck zur Verfügung stehen sollen.
Aus der Umsetzung dieser Strategie ergibt sich die Finanzierungsstruktur des Unternehmens. Eine gesunde Finanzierungsstruktur sollte mittelfristig ausgewogen sein. Ziel ist ein tragfähiges Verhältnis zwischen ausreichender Liquidität, vertretbaren Finanzierungskosten und beherrschbaren Finanzierungsrisiken, etwa im Hinblick auf Unabhängigkeit und Flexibilität.
Grundsätzlich stehen dafür drei zentrale Finanzierungsformen zur Verfügung: Eigenkapital, Fremdkapital und Mezzanine-Kapital.

Langfristige Investitionen sollten langfristig finanziert werden. Kurzfristige Investitionen können dagegen auch kurzfristig finanziert werden. Diese Fristenkongruenz trägt dazu bei, die Liquidität zu sichern und Finanzierungsrisiken zu reduzieren.
Empfehlenswert ist eine rollierende Liquiditätsplanung über die nächsten zwölf Monate. Zusätzlich sollte eine Liquiditätsreserve in Höhe von mindestens drei, besser sechs Monatsfixkosten aufgebaut werden.
Liquiditätsgrade können dabei ein sinnvolles Controlling-Instrument sein:
Liquidität 1. Grades
Flüssige Mittel im Verhältnis zu kurzfristigen Verbindlichkeiten
Empfehlenswert: mindestens 20 bis 30 Prozent
Liquidität 2. Grades
Flüssige Mittel plus kurzfristige Forderungen im Verhältnis zu kurzfristigen Verbindlichkeiten
Empfehlenswert: mindestens 100 bis 120 Prozent
Liquidität 3. Grades
Flüssige Mittel plus kurzfristige Forderungen plus Vorräte im Verhältnis zu kurzfristigen Verbindlichkeiten
Empfehlenswert: über 120 Prozent
Der Verschuldungsgrad ergibt sich aus dem Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Bei 1 Mio. Euro Fremdkapital und 500.000 Euro Eigenkapital beträgt der Verschuldungsgrad 2.
Ergänzend empfiehlt sich die Betrachtung des dynamischen Verschuldungsgrades. Dieser wird wie folgt berechnet:
(Fremdkapital minus liquide Mittel) / operativer Cashflow
Diese Kennzahl zeigt die reale Rückzahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Sie gibt Auskunft darüber, wie viele Jahre operativer Cashflow benötigt würden, um die Verschuldung zu reduzieren, wenn Investitionen unberücksichtigt bleiben.
Der optimale Verschuldungsgrad hängt von der jeweiligen Zielsetzung ab. Grundsätzlich ist ein niedriger Verschuldungsgrad häufig vorteilhaft, da er in der Regel bessere Finanzierungskonditionen ermöglicht und sich positiv auf den Unternehmenswert auswirken kann.
Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, Eigenkapital durch Fremdkapital zu ergänzen, sofern die Gesamtkapitalrendite über den Fremdkapitalkosten liegt. In diesem Fall kann die Eigenkapitalrendite durch den sogenannten Leverage-Effekt steigen.
Bei niedriger Verschuldung sind die Kapitalkosten meist gering. Ein moderater Anstieg des Fremdkapitals kann dann, bei sinnvoller Verwendung der Mittel, zu einem höheren Unternehmensgewinn führen, ohne dass die Kapitalkosten im gleichen Maß steigen. Dadurch erhöht sich die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital und damit auch der Kapitalwert des Unternehmens.
Mit zunehmender Verschuldung steigen jedoch in der Regel die Kapitalkosten. Gleichzeitig sinkt der Kapitalwert. Es gibt daher einen Punkt, an dem Eigenkapitalrendite und Marktwert des Unternehmens ihren Höchststand erreichen. Dieser Punkt wird häufig als optimaler Verschuldungsgrad angesehen.

Unternehmen sollten sowohl bei den Finanzierungsinstrumenten als auch bei den Kapitalgebern auf Diversifikation achten. So lassen sich Abhängigkeiten reduzieren und die finanzielle Flexibilität erhöhen.
Dabei sollten auch öffentliche Mittel und Förderprogramme berücksichtigt werden. Sie verbessern häufig die Konditionen weiterer Finanzierungsformen und tragen dazu bei, Risiken zu senken.
Im Rahmen einer integrierten Finanzplanung sollte in Szenarien gedacht werden. Das bedeutet, die Auswirkungen möglicher Umsatz- und Ergebniseinbrüche auf die Finanzierungsstruktur frühzeitig zu analysieren.
Sinnvoll ist es, vorab definierte Trigger festzulegen, bei deren Eintritt rechtzeitig Gegenmaßnahmen oder Umstrukturierungen eingeleitet werden können.
Text: Benjamin Raab
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