Potenziale in der Abfall- und Kreislaufwirtschaft

Côte d’Ivoire gilt als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften des afrikanischen Kontinents mit seit 2012 einem durchschnittlichen jährlichen BIP-Wachstum von über 6% seit 2012 und bietet ebenfalls vielfältige Geschäftschancen im Bereich der Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Um den Rückstand aufzuholen, die Investitionslücke im Wassersektor zu schließen und sicherzustellen, dass die Wasserqualität internationalen Standards entspricht, wird der Bau von Wasserinfrastruktur sowie Abwasserreinigungs- und Versorgungsnetzen gefördert. Initiiert werden Projekte im Wasser- und Abwassersektor durch staatlich-private Kooperationen. Dieses Jahr hat der ivorische Staat ein Projekt zur Installation von 40 kompakten Trinkwasseraufbereitungsanlagen an 37 Orten im ganzen Land initiiert. Mit Gesamtkosten in Höhe von 42 Milliarden CFA-Franken (64 Mio. €) ist dieses Projekt eine technische Notlösung zur Wasserproblematik, während auf die Fertigstellung von Strukturprojekten gewartet wird. Im kommenden Jahr ist der Bau von 39 weiteren kompakten Trinkwasseraufbereitungsanlagen geplant. Die Wasserbranche in der Côte d’Ivoire bietet für deutsche Unternehmen vor allem Beratungs- und Lieferchancen.

Kontext

Nach dem Vorbild aller Länder, die dem Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) beigetreten sind, hat Côte d'Ivoire 2015 seinen national festgelegten Beitrag (Contribution Déterminée au niveau National, CND) entwickelt und vorgelegt. Dieser identifizierte Landwirtschaft, Energie und Abfall als die drei wichtigsten Sektoren, die die meisten Treibhausgase ausstoßen.

Im Abfallsektor nimmt das Abfallaufkommen in den Städten im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum zu. Nach Angaben des Ministeriums für Sanitärversorgung und Hygiene wurde 2018 das jährliche Aufkommen an festen Haushalts- und ähnlichen Abfällen auf 3.000.000 Tonnen geschätzt, von denen nur 70 % gesammelt wurden. Allein in der Stadt Abidjan fallen täglich 3.000 Tonnen Hausmüll an, was einem jährlichen Gesamtaufkommen von 1.080.000 Tonnen entspricht. Als Agrarland produziert Côte d'Ivoire ebenfalls große Mengen an landwirtschaftlichen Abfällen, vor allem bei Produkten wie Kakao, Kaffee, Cashewnüssen, Ölpalmen, Bananen oder Kautschuk, die leider zuhauf in der Landschaft verbleiben. Schätzungen des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zufolge fallen jedes Jahr zwischen 15 und 17 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Abfälle an, was ebenfalls Chancen für Anbieter von Biogas und erneuerbaren Energien darstellt.

Um einen Beitrag zu den globalen Klimaschutzbemühungen zu leisten, hat Côte d'Ivoire zwei wichtige strategische Orientierungen für den Abfallsektor festgelegt, nämlich die Verbesserung der städtischen Abwasserentsorgung und die Gewährleistung einer nachhaltigen Bewirtschaftung und Verwertung von Abfällen durch die Entwicklung von Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft. Damit hat sich das Land zum Ziel gesetzt, bis 2030 eine Gesamtreduktionsrate von 31,52 % der Gesamtemissionen des Abfallsektors im Vergleich zum Basisjahr 2012 zu erreichen.

Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft in Côte d'Ivoire

Der Entwicklung und Verbreitung von Technologien der Kreislaufwirtschaft in Côte d'Ivoire stehen aber mehrere Hindernisse entgegen. Das ist erstens der informelle Charakter der Praktiken der Kreislaufwirtschaft in Côte d'Ivoire, bei denen häufig handwerkliche und leistungsschwache Technologien zum Einsatz kommen und zweitens kann der geringe Kenntnisstand über die besten verfügbaren Technologien für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft zur Bekämpfung des Klimawandels in dem Land erwähnt werden. Hinzu kommt, dass es ein geringes Bewusstsein und Wissen von Projektträgern und Banken über die Rentabilität von Investitionen in Technologien der Kreislaufwirtschaft im Zusammenhang mit dem Klimaschutz gibt.

Heute ist eine der größten Herausforderungen der Abfallverwertung die Beschaffung qualitativ hochwertiger Abfälle zu erschwinglichen Kosten. Der schwierige Zugang zu den Plantagen und die schlechten Lagerbedingungen erhöhen in der Tat die Kosten der Abfallbeschaffung wegen der notwendigen Vorbehandlung und des Transports. Was den Hausmüll anbelangt, bildet das Fehlen der Mülltrennung eine besondere Schwierigkeit dar. Diese Herausforderungen bringen zugleich Chancen und Potenziale für Investitionsmöglichkeiten in der Sammlung, sowie der Vorbehandlung der Abfälle und in der Logistik. Die Sammlung könnte zum Beispiel durch einen Zusammenschluss von Sammlern erfolgen. Bei der Vorbehandlung können auch Holzpellets oder -granulat hergestellt werden.

Verbesserung der Rahmenbedingungen

Im Jahr 2017 gründete der ivorische Staat die Nationale Agentur für Abfallwirtschaft (Agence National de Gestion des Déchets, ANAGED), um eine gute Abfallbewirtschaftung im Land zu gewährleisten. Die Aufgabe dieser Agentur sind u.a. die Mitwirkung an der Ausarbeitung und Umsetzung der Regierungspolitik für die Bewirtschaftung aller Arten von festen Abfällen, der Beitrag zur Ausarbeitung und Umsetzung von Programmen für ihre Bewirtschaftung bzw. für die Förderung der Kreislaufwirtschaft, sowie die Schaffung von Mechanismen und wirtschaftlichen Anreizen, um Investitionen in die Bewirtschaftung der Abfälle zu erleichtern. Mit dieser neuen Zielsetzung eröffnen sich Geschäftsmöglichkeiten für deutsche KMU und Lösungsanbieter aus der Abfall- und Kreislaufwirtschaft, die innovative Produkte und Lösungen für das Abfallmanagement anbieten.

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Autor: Aristide Loli

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