In der Lebensmittelproduktion entstehen nicht nur Hauptprodukte, sondern auch enorme Mengen an Nebenströmen, also organische Reststoffe wie Presskuchen, Rübenschnitzel oder Okara aus der Hafer- und Sojaverarbeitung. Diese Nebenströme wurden lange überwiegend nur als Nutztierfutter genutzt oder in der Biogasanlage verwertet. Doch heute wird klar: Sie bergen wertvolle Inhaltsstoffe und bieten Innovationspotenzial für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

Wir unterstützen Sie bei der passenden Förderung, um aus Ihren Nebenströmen neue Wertschöpfung zu entwickeln – wirkungsvoll und zielgerichtet, mit dem Fokus auf zukunftsfähigen Geschäftsmodellen und Technologien entlang der Circular Bioeconomy.

Nebenströme: Wertstoff statt Wegwerfprodukt

Neue Studien belegen eindrucksvoll, wie etwa in der Raps- und Zuckerrübenverarbeitung sowie bei der Tofu- und Hafermilchherstellung erhebliche Mengen an Nebenströmen entstehen, teils sogar in größerem Umfang als das Hauptprodukt selbst (u.a. Mühl et al. 2024, Klein et al. 2023, Čech et al. 2022, Stevens et al. 2018).

Rapspresskuchen: Reich an Protein, wird als GVO-freies (ohne gentechnisch veränderte Organismen) Futtermittel stark nachgefragt – eine attraktive Alternative zu importiertem Soja.

Rübenschnitzel & Melasse: Werden regional und international als Futterzusatz oder Substrat für Fermentation (z. B. Hefeproduktion, Ethanol, Enzyme) genutzt.

Okara (aus Soja- oder Haferverarbeitung): Dient nicht nur als Futtermittel, sondern kann auch zu Proteinkonzentraten weiterverarbeitet werden, mit funktionellen Eigenschaften für pflanzliche Käsealternativen. Unternehmen wie Greencovery aus den Niederlanden entwickeln hierfür innovative Extraktionsverfahren.

Kartoffelschalen und andere Schälreste: Bieten Potenzial als Fermentationssubstrat oder biobasierter Werkstoff, wie etwa für biologisch abbaubares, essbares Besteck und Geschirr, womit sich z.B. die Firma Frenvi GmbH beschäftigt.

Weitere Gemüseabschnitte (z.B. Steckrübe, Rote Bete): Werden z.B. bei Steckrüben und Rote Bete durch Fermentation zu pflanzlichen Schinkenalternativen verarbeitet, wie etwa bei der Verrano GmbH.

Diese Nutzungspfade zeigen, dass Nebenströme oft mit geringem zusätzlichem Investitionsaufwand entscheidend zur betrieblichen Wertschöpfung beitragen können.

Weiter zeigt die Studie von Klein et al. (2023) auch, dass nicht nur Technik und Wirtschaftlichkeit über den Erfolg entscheiden. Ebenso wichtig sind:

  • Regionale Netzwerke und institutionelle Rahmenbedingungen
  • Unternehmensgröße und strategische Ausrichtung
  • Verfügbarkeit und Logistik (Transportfähigkeit, Lagerung)

Besonders interessant: Während große Unternehmen wie Nordzucker eigene Strukturen zur Nebenstromnutzung aufgebaut haben, profitieren kleine Verarbeiter oft von informellen Partnerschaften mit Landwirtinnen und Landwirten in direkter Umgebung. Hier entstehen win-win-Situationen, durch Nähe, Flexibilität und Vertrauen.

Kreislaufwirtschaft mit Wirkung!

Die Forschung zeigt: Wirklich nachhaltige Kreislaufsysteme entstehen, wenn Unternehmen nicht nur verwerten, sondern vorausschauend gestalten. Dazu gehören:

  • Innovative Produkte auf Nebenstrombasis (z.B.  Proteine, Lipide, funktionelle Zutaten, wie Lecithine, Enzyme)
  • Neue Geschäftsmodelle, die intersektoral denken (z.B.   "Food meets Feed or Pharma")
  • Digitale Plattformen zur Vernetzung lokaler Akteure, um Stoffströme besser zu lenken

 

Angesichts steigender Rohstoffpreise, wachsender Anforderungen an Nachhaltigkeit und einer neuen Aufmerksamkeit für regionale Kreisläufe, ist der Handlungsdruck und das Innovationspotenzial größer denn je.

Doch technologische Innovation allein reicht nicht aus. Was wir brauchen, ist ein systemischer Wandel und starke Netzwerke, die diesen Wandel mitgestalten.

Biomass2Food – Gemeinsam Innovation ermöglichen

Genau hier setzt das Innovationsnetzwerk Biomass2Food an. Unsere Vision ist ein Ernährungssystem, das allen Menschen langfristig eine gesunde Ernährung ermöglicht und dabei im Einklang mit Umwelt und Natur steht. Unser heutiges Ernährungssystem befindet sich im Wandel, doch pflanzliche Alternativen kämpfen weiterhin mit strukturellen Herausforderungen: Neben regulatorischen Hürden, wie der Novel-Food-Verordnung, bleibt vor allem die Skalierung eine der größten Markteintrittsbarrieren.

Ziel des Netzwerks ist es, durch die Entwicklung skalierbarer, innovativer Verarbeitungsprozesse alternativer Biomassen, wie Nebenströme, die Wirtschaftlichkeit pflanzlicher Produkte systematisch zu erhöhen. Gleichzeitig will das Netzwerk durch Kommunikation und Demonstration gesellschaftliches Bewusstsein für nachhaltige Ernährung fördern.

Was erwartet Sie im Netzwerk?

  • Erschließung neuer Märkte: Interdisziplinäre Kooperation mit Playern aus Lebensmittelindustrie, Biotechnologie, Maschinenbau, Agrartechnik u.v.m. So entstehen neue Anwendungen aus bislang unerschlossenen Nebenströmen.
  • Initiierung staatlich geförderte F&E-Projekte: In Verbindung mit Programmen wie ZIM, Innovationsförderung der BLE oder FutureFoodS, Eurostars, steuerliche Forschungszulage, KMU-innovativ fördern wir konkrete Innovationsprojekte – vom Antrag bis zur Umsetzung.
  • Branchen-Insights & strategische Partnerschaften: Tauschen Sie sich mit führenden Akteuren entlang der Wertschöpfungskette aus und gestalten Sie Pilotprojekte mit echtem Marktpotenzial.
  • Langfristige Zukunftssicherung: Wer heute investiert, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von morgen – mit Innovationen, die ökonomisch tragfähig und ökologisch verantwortlich sind.

Das Netzwerk richtet sich an Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups aus Bereichen wie Lebensmittelverarbeitung, Prozesstechnik, FoodTech, Kultivierung alternativer Rohstoffe und darüber hinaus.

Mehr Informationen zum Netzwerk Biomass2Food sowie Fördermöglichkeiten für Projekte finden Sie auf unserer Website www.biomass2Food.com. Kontaktieren Sie uns auch jederzeit gerne für eine Beratung zum Themenfeld Agrifood.

 

Text: Dr. Dana Atzpodien & Mareike Deggelmann

Mareike Deggelmann

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Als Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftlerin bringe ich mein Wissen und Fähigkeiten als Innovations- und Projektmanagerin ein. Ich verfüge über fundierte Kenntnisse in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, Ernährung und Gesundheit sowie Qualitätsmanagement. Ich habe in verschiedenen Bereichen der Lebensmittelindustrie gearbeitet und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ich arbeite proaktiv und setzte meine Fähigkeiten und Wissen ein, um innovative Lösungen zu finden und meine Kunden und Kundinnen bei Ihrer Zielerreichung zu unterstützen. Ich bin eine wertvolle Ressource für Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen verbessern und sich an die sich ständig verändernden Anforderungen des Marktes anpassen möchten.
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